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Über die Finanzplätze Schweiz und Liechtenstein
zu informieren, ohne in die Polemik zur Finanzkrise oder Steuerhinterziehung
zu verfallen, war eine ambitionierte Herausforderung für
diese vierte Ausgabe des Bankenratgebers BSL. Indem wir
Fachleute zu Wort kommen lassen, wollen wir aus erster Hand
informieren und analysieren.

Seit unserer letzten Ausgabe bewiesen die Märkte einen
kühleren und scharfsichtigeren Kopf, als man ihnen zugestehen
will. Nachdem mehrere Industriestaaten ihre grossen Bankeninstitute
sanierten, bewiesen sie einen für viele Beobachter unerwarteten
Optimismus. Dabei büssten sie keineswegs ihre Scharfsicht
ein, denn sie wiesen sogleich auf die Entgleisungen gewisser
Staaten in der Eurozone in Bezug auf ihre Staatsverschuldung
hin.

Das erste Land, das Gefahr lief, seine Schulden nicht mehr
im Griff zu halten, war Griechenland. Nach der alten Leier,
die Spekulanten seien verantwortlich, musste eine Lösung
gefunden werden. Das übliche Vorgehen wäre gewesen,
dass Griechenland mit seinen Gläubigern eine Umstrukturierung
seiner Schulden aushandelt hätte und diese auf einen
Teil ihrer Forderungen verzichtet hätten. Dies hätte
natürlich zur Folge gehabt, dass andere tief verschuldete
Staaten keine Geldgeber mit vernünftigen Konditionen
mehr gefunden hätten und so bald selbst in Schwierigkeiten
geraten wären.

Um dies zu vermeiden und zu verhindern, dass ein Teil der
in der Eurozone angesiedelten Gläubigerbanken Griechenlands
durch den Verzicht auf die Forderungen destabilisiert werden
und möglicherweise neue Hilfe benötigen,
beschlossen die Partnerländer zusammen mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) einen Rettungsplan. So einigte man
sich auf Kredite über drei Jahre in der Höhe von
über 100 Milliarden Euro. Dieser für die Beruhigung
der Märkte dringend erwünschte Schritt stiess aber
auch auf Kritik. Im Kreuzfeuer stand insbesondere der IWF,
dessen Aufgabe es ist, den Mitgliedern zu helfen, deren Zahlungsbilanz
vorübergehend im Ungleichgewicht ist, und nicht, ihre
Staatsverschuldung neu zu finanzieren. Die Gefahr ist gross,
dass diese Solidarität bei anderer Gelegenheit erneut
von den Märkten getestet wird und man vom Regen in die
Traufe gerät.

Zu diesen Unsicherheiten kommen noch die Befürchtungen
über die neuen Vorschriften für Finanzintermediäre,
die von verschiedenen Ländern, der Europäischen
Union und dem Basler Ausschuss ausgearbeitet wurden. Es
geht dabei um Kapitalisierung, Liquiditäten und Risikomanagement,
insbesondere der systemischen Risiken, aber auch um eine vom
eingegangenen Risiko unabhängige Begrenzung des Hebeleffekts
("Leverage"). Ein solches Massnahmenpaket hat seinen
Preis, es verteuert die Bankdienstleistungen. Dabei wurde
die Strafsteuer, die in diversen Ländern kurz vor der
Einführung steht, noch gar nicht berücksichtigt,
nämlich das Verbot, die Boni in die Betriebskosten mit
einzurechnen. Es ist hinlänglich bekannt: sämtliche
dem Finanzsektor neu auferlegten Kosten werden letztlich von
den Anlegern bezahlt.

Da die Finanzplätze Schweiz und Liechtenstein beschuldigt
wurden, bei der jeweiligen nationalen Steuerbehörde nicht
deklarierte Vermögen ihrer Kunden angenommen zu haben,
mussten sie eine schmerzhafte Entscheidung treffen:
ihren Kunden treu bleiben und untragbare Gegenmassnahmen auf
sich nehmen, oder dem Druck nachgeben und bei ihren Behörden
die Genehmigung einholen, den ausländischen Forderungen
auch über die ordentlichen rechtlichen Verfahren hinaus
zu entsprechen. Um nicht noch einmal in eine solche Lage zu
geraten, sind die Finanzintermediäre entschlossen, nur
noch Vermögen zu verwalten, von denen sie annehmen, dass
sie versteuert wurden, und mit den Staaten, die dieser zustimmen,
die Erhebung einer befreienden Quellensteuer auf die Vermögen
ihrer Gebietsansässigen zu vereinbaren. Eine überzeugende
Strategie ist ein wichtiger Schritt aus der Sackgasse.

Die zum Wirtschaftsleben gehörende Ungewissheit wird
nicht dadurch beseitigt, dass man den Zustand des Finanzsystems,
die Meinungen der Akteure und die Produkte kennt, dies hilft
aber, sich zu orientieren. Dieser Meinung schliessen sich
unsere Autoren an. Sie hoffen, Ihnen durch ihre klaren, prägnanten
und objektiven Analysen den Weg etwas zu erhellen. Dafür
setzen sich auch unsere Sponsoren ein, die Jahr für Jahr
unseren Ratgeber unterstützen.
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